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Das Neue Schloss

Während der dritten Landesteilung von Bayern, war Ingolstadt von 1392 bis 1447 Haupt- und auch Residenzstadt. Beeinflusst durch einen langen Aufenthalt am französischen Hof –seine Schwester Elisabeth (Isabeau) war Königin von
Frankreich – ließ Herzog Ludwig der Bärtige ein einmaliges Bauwerk errichten, in dem man sich zur Wehr setzen, aber auch repräsentieren konnte. Mit Mauerstärken bis zu vier Metern war der Palas „… ein Bollwerk, wie es Bayern bis dahin nicht gekannt hatte“ (Prof. Dr. Theodor Müller). Im Gegensatz dazu scheint eine einmalige Innenarchitektur für die Wohnräume zu stehen, so dass das Neue Schloss zweifellos zu den bedeutendsten Profanbauten der deutschen
Gotik gezählt werden darf.
Da das Gebäude in einer Zeit konzipiert wurde, in welcher der Aufstieg der Artillerie nicht mehr zu übersehen war, kann es nicht überraschen, dass es als einziger Bau im Laufe von Jahrhunderten für zwei völlig verschiedene Verteidigungssysteme – sowohl für die mittelalterliche Stadtumwallung als auch für die bastionäre Befestigung bis zum Ende des 18. Jahrhundert – von hoher Bedeutung war. Mit der Errichtung des Neuen Schlosses wurde wohl 1418 begonnen, das Vorhaben kam mehrfach ins Stocken und letzte Ausbauarbeiten lassen sich 1499 feststellen. Der schon früh geprägte Begriff „Neue Veste“ umfasste nicht nur den Palas, sondern auch alle anderen Nebengebäude. Dies gilt auch heute noch, wenn wir vom „Neuen Schloss“ sprechen.
Dass die im Entstehen begriffene Neue Veste gleichzeitig dem täglichen Durchgangsverkehr diente, konnte Ludwig dem Bärtigen nicht gefallen, zumal die Straße nach Regensburg unmittelbar am Palas vorbeiführte. Schon bald trachtete
der Herzog danach das hier 1368 von der Stadt errichtete Feldkirchener Tor in seinen Besitz zu bringen. Dies gelang auch, doch musste Ludwig – nicht zuletzt durch ein Machtwort von Kaiser Siegmund – einen Ersatzbau errichten,
der nun außerhalb der Neuen Veste stand. Damit hatten der Herzog und seine Nachfolger die volle Verfügungsgewalt über den ganzen Bereich, die Neue Veste war zur Zitadelle geworden, die sich gegen Angriffe von allen Seiten – damit auch von rebellischen Stadtbewohnern – zur Wehr setzen konnte. Das alte Feldkirchener Tor wurde glücklicherweise nicht abgebrochen und somit ist das älteste mittelalterliche Stadttor von Ingolstadt durch die Einbeziehung in den Schlosskomplex bis heute erhalten geblieben.