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Fronte Rechberg

Leider sind die sogenannten „regelmäßigen Fronten“ Peter von Beckers nach dem 2.Weltkrieg fast völlig zerstört worden. Nur hier, im letzen erhaltenen Teil des Hauptgrabens, der noch dazu teilweise aufgefüllt ist, gewinnt man noch einen Eindruck wie der vom gegnerischen Angriff besonders bedrohte Abschnitt der Festung am nördlichen Flussufer zwischen dem Einlauf der Schutter im Westen und der Donau im Osten mit fünf dieser Fronten verteidigt werden sollte.
Typisch für die regelmäßigen Fronten war, dass alle Bauwerke zur Grabenverteidigung soweit abgesenkt waren, dass der Angreifer sie erst sehen konnte, wenn er sich bis an den äußeren Rand des Grabens herangekämpft hatte. Schon dies war nicht einfach, denn eine entschlossene Verteidigung konnte dem Gegner bereits im Vorfeld schwere Schäden zufügen. Darüber hinaus waren im engeren Glacisbereich unterirdische Minengänge angelegt worden, so dass die Angriffsgräben des Gegners gesprengt werden konnten wenn sich dieser dem Hauptgraben näherte.
Kernwerk des Verteidigungssystems einer Fronte war die Kaponniere (Grabenstreiche, Koffer), welche den gesamten Hauptgraben mit flankierendem Feuer bestreichen konnte. Ein Erfolg rückte für den Gegner erst dann in greifbare Nähe, wenn es ihm gelang, wenigsten eine Kaponniere einzunehmen oder völlig zu zerstören. Entsprechend der damaligen effektiven Reichweite der Infanteriegewehre (250 Meter) betrug die Länge eines Fronte 500 Meter, die Kaponniere lag genau in der Mitte. Durch die ausspringenden Winkel des Polygons wurde außerdem verhindert, dass sich Kaponnieren versehentlich gegenseitig beschießen konnten.
Bestandteile des Verteidigungssystems waren zunächst zwei noch außerhalb des Grabens gelegene Waffenplätze, die einesteils zum Schutz der Kaponniere beitrugen, andernteils aber für eine offensive Verteidigung im Glacisbereich genützt werden konnten. Beherrscht wurden die Waffenplätze von je einem Reduit, das man wiederum als Einheit mit der Kontergarde sehen muss, welche das Hauptdeckwerk für die Kaponniere war. In diesem System manifestierte sich der Gedanke der abschnittweisen Verteidigung denn all die genannten Werke waren durch Gräben voneinander getrennt und mussten einzeln zerstört oder erobert werden, bevor man die Kaponniere direkt angreifen konnte.
Darüber hinaus musste der Angreifer mindestens eine Bresche in den Hauptwall schießen und da war es schon im Planungsstadium klar, dass die Eckpunkte des Polygons ein bevorzugtes Ziel sein würden. Gerade weil dort die Linie des Walls gebrochen war konnte der Verteidiger hier keine besonders wirksame Abwehrbatterie dem Angreifer entgegensetzen.
Diese wollte man deshalb hinter dem Wall aufstellen, weshalb man genau hinter den Eckpunkten die sogenannten Kavaliere errichtete. Der Name leitete sich von kleineren Festungswerken ab, die in früheren Zeiten eine ähnliche Aufgabe erfüllten, aber wie ein Reiter (daher Kavalier) auf dem Hauptwall „saßen“.
Derart gut sichtbare Bauwerke passten aber nicht mehr in die Zeit, denn wiewohl das Steilfeuer mit Mörsern noch nicht all zu gefährlich war so musste man bereits alles tun um das Mauerwerk von Festungen ganz oder möglichst lange dem direkten Beschuss durch Kanonen zu entziehen. Deswegen wurde das Glacis aufgeschüttet, damit es möglichst lange den Hauptwall deckte und deswegen standen auch die Kavaliere ziemlich dicht hinter diesem. Man ging daher davon aus, dass sie lange unzerstört blieben und noch Widerstand leisten konnten wenn der Hauptwall vom Gegner bereits eingenommen war.