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Der Brückenkopf Tillyveste Reduit Tilly

Nur im Bereich der ehemaligen Tillyveste ( wie der offizielle Name des gesamten befestigten Brückenkopfes lautete) bekommt man eine gute Vorstellung von den Plänen des Michael von Streiter. Von ihm stammte das Grundkonzept, während die Fassadengestaltung am Reduit und an den beiden flankierenden Türmen ein Werk des Leo von Klenze war. Dieser damalige staatliche Hofbauintendant in München darf zu den bedeutendsten deutschen Architekten jener Zeit gezählt werden. So entstanden Schöpfungen, die heute zu den schönsten noch erhaltenen Festungsbauwerken in Deutschland zählen.
Als die Entscheidung für eine polygonale Befestigung am Nordufer fiel, befanden sich die Hauptwerke der Tillyveste schon in einem fortgeschrittenen Zustand. Daher wurden diese runden Werke wie das Reduit und die beiden flankierenden Türme (die erst sehr viel später den Namen Triva und Baur erhielten) fertig gebaut. Dies galt auch für das südwestlich davon gelegene Fort Gumppenberg, das von der Ingolstädter Bevölkerung den Namen „Der rote Turm“ bekam. Dieser sicherte den Brückenkopf und von dort konnte auch das Vorfeld der unregelmäßigen Fronten unter ein
flankierendes Feuer genommen werden.
Benannt war der Brückenkopf nach Johann T’Serclaes Graf von Tilly (1559 – 1632), dem im dreißigjährigen Krieg nicht nur die bayerische Armee unterstand, sondern der auch der militärische Führer der katholischen Liga war. Es gelang ihm 13 Jahre lang den Krieg von Bayern fern zu halten. In der Schlacht bei Rain am Lech konnte er das Eindringen der schwedischen Armee nach Bayern nicht abwehren, er wurde dabei tödlich verwundet und starb in Ingolstadt. Der von tiefer Religiosität geprägte General, der aus dem heutigen Belgien stammte, hat seine letzte Ruhestätte in dem berühmten Wallfahrtsort Altötting gefunden.
Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen stand in jeder Kasematte des Reduits ein schweres Geschütz. Ihre Zahl kann man an den im Originalzustand noch vorhandenen Geschützpforten ablesen. Im Verteidigungsfall hätte man auch auf der Plattform des Daches eine große Batterie schwerer Kanonen in Stellung bringen können. Vor uns der Torturm des Reduits, den ein unbefangener Betrachter gar nicht als „Turm“ ansprechen würde. Nach dem noch vorhandenen Originalplan wollte Leo von Klenze aber auf den massiven Unterbau ein zierliches Türmchen setzen.
Dieses wurde aber von der bayerischen Armee gestrichen, denn es hätte als Hilfsziel dienen können, wenn sich ein Angreifer auf das Reduit einschiessen wollte.
Das Werk ist zwischen 1828 und 1841 gebaut worden. Der Begriff Reduit kommt aus dem Französischen, er kennzeichnet einen letzten Zufluchtsort innerhalb eines Festungswerkes oder einer –anlage. Hier sollte ein letztesmal entschlossen Widerstand geleistet werden, auch wenn der restliche Brückenkopf schon ganz in der Hand des Angreifers war.